Revierkämpfe und graziöses Balzspiel

 

 

Am Federsee kann man derzeit Schwäne beobachten

 

 

Vom Federseesteg aus können Naturfreunde derzeit hautnah die beeindruckenden Revierkämpfe und das graziöse Balzspiel der Höckerschwäne beobachten, berichtet der Leiter des NABU-Naturschutzzentrums Federsee, Jost Einstein.

 

 

Die ausgebreiteten Flügel klatschen geräuschvoll auf das Wasser, es spritzt, Körper, Hälse und Flügel sind zu einem unübersichtlichen Knäuel verschlungen. Dann setzt sich einer der beiden Kämpfer durch, und das unterlegene Schwanenmännchen nimmt reißaus. Der siegreiche Revierverteidiger beginnt sofort mit der Patrouille durch sein Reich und zeigt das typische ballettartige Imponiergehabe: die Schwingen angehoben und abgestellt, den Hals weit zurückgelegt, so dass der Schnabel auf dem unteren Halsbereich zu liegen kommt. „Schwäne sind äußerst territorial,“ weiß Jost Einstein. „Die Zeit der Revierverteilung mutet teilweise martialisch an. Dies hat jedoch nichts mit Grausamkeit zu tun, sondern ist ein natürlicher Prozess. Nur die stärksten Männchen sichern sich ein Brutrevier." Die Verlierer werden in diesem Jahr keine Chance auf Fortpflanzung haben und sammeln sich meist in der Seemitte. „Auf diese Weise herrscht in einem Naturschutzgebiet ganz ohne menschlichen Eingriff ein natürliches Gleichgewicht zwischen den natürlichen Ressourcen und denjenigen, die sie nutzen wollen,“ versichert der Ornithologe.

Schwanensee
Hat sich ein Paar gefunden, versichern sich die Partner immer wieder mit anmutigen Balzspielen ihrer Zuneigung. „Die graziöse Balz der Höckerschwäne gehört zu den beeindruckendsten Schauspielen im Frühling,“ schwärmt Jost Einstein. Ein Schwanenpaar, hat es sich erst einmal gefunden, bleibt meist ein Leben lang zusammen. Der namengebende Höcker über der Schnabelwurzel ist beim männlichen Tier stärker ausgebildet – so kann man die Geschlechter gut unterscheiden.

Start- und Landebahn im Wasser
Höckerschwäne sind die schwersten und größten flugfähigen Vögel in Deutschland. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,40 Metern erreichen sie eine Geschwindigkeit von über 50 km/h. Um sich jedoch in die Luft schwingen zu können, brauchen sie eine lange Startbahn. Bei genauem Hinhören kann man einen Schwan fliegen hören, im Gegensatz zum lautlosen Flug einer Eule.

Der Schwan in Mythologie und Wissenschaft
„Der Schwan hat die Menschen seit Jahrhunderten inspiriert,“ erzählt der Leiter des Naturschutzzentrums. „Jeder kennt die Geschichte vom hässlichen Entlein, das sich zum wunderschönen Schwan entwickelt.“Komponisten haben ihn auf die Bühne gehoben, Dichter ihm gehuldigt und Maler ihn auf Leinwände verewigt. Mal ist er grazil und friedlich, mal groß und kriegerisch dargestellt. Und er fliegt sogar als Sternbild in der Milchstraße.

Hier am Federsee zeigen einige Schwäne sogar ein interessantes wissenschaftliches Phänomen: sie haben leicht rötliche Köpfe. Jost Einstein erklärt: „Beim Gründeln nach Wasserpflanzen nehmen sie im Schlamm enthaltene Eisenverbindungen im Gefieder auf. Beim Erreichen der Oberfläche oxidieren die Eisenverbindungen mit Luftsauerstoff. Es entsteht Eisenoxid, und das ist Rost.“